“vielleicht braucht es ja noch gewöhnung, bis das, was ich sage, denen einleuchtet, die mögen, wie ich es sage.”
Mittwoch, 21. Januar 2009, 12:42 |in den weihnachtsferien und ein bisschen darüber hinaus las ich das buch “die abschaffung der arten” von dietmar dath. ich weiß nicht, ob ich berichtet hatte von “dirac”, das war mein buch für den sommer gewesen. es handelt ein bisschen von dem britisch-französischen physiker paul dirac, zeitgenosse u.a. von heisenberg. es handelt außerdem von der entstehung des buches selbst und vom persönlichen umfeld des autors (jedenfalls will das buch den leser das glauben machen), es ist durch die verschiedenen zeitlichen und räumlichen ebenen, die sich alsbald zu durchdringen beginnen, teilweise verwirrend und es hat vor allem eine sprache von großer kraft und pracht und schönheit und schwere und macht [ehrlicherweise muss ich sagen: beim nochmal drüberlesen kommt mir das ein weniog überkandidelt vor, zur abschaffung der arten würde es eher passen, vielleicht war ich beim schreiben noch ein wenig müde, es war immerhin erst ca sieben uhr morgens!]. dass es voll von science-fiction-elementen ist, fiel mir beim lesen gar nicht recht auf (ein genre, das mich nicht nur nie interessiert hat, das ich auch immer eher mit mindestens skeptischem blick aus der ferne beäugt habe). kurz gesagt: ich war sehr beeindruckt.
das wusste der nikolaus und brachte mir “die abschaffung der arten”. ich begann bereits hier in bielefeld zu lesen, in pausen in der uni, in der bahn, es erwies sich jedoch als mühevolle lektüre. es ist voller fremder fremdwörter, von denen man nicht weiß: gibt es sie wirklich? sind sie erfunden? sprachlich wie inhaltlich ist man in eine fremde welt geworfen, in der man sich zunächst absolut nicht zurechtfindet. man muss darauf vertrauen, dass der autor es schon richten wird. der “hält einen bei der stange” mit noch weiter ausgefeilter, verfeinerter sprache, mit wundersamen wesen, namen, ereignissen und irgendwann, ohne dass man bemerkt hätte wie die veränderung vonstatten gegangen war, findet man sich mehr oder minder selbstverständlich zurecht in dieser welt, in der die vorherrschaft der menschen durch die tiere abgelöst wurde, wobei: so richtig stimmt das nicht. es sind doch sehr menschliche tiere, auch wenn ich über weite teile des buches anders gehofft hatte. menschen gibt es auch noch ein paar, die meisten davon allerdings eher kreaturen - aber ich will eigentlich nichts verraten.
ein historienroman ist es, eine gesellschaftsutopie, ein science-fiction-buch (muss man wirklich so zwanghaft vermeiden, an der stelle das wort “roman” nochmal zu verwenden, nur weil es ein kleines stückchen weiter vorn schon steht?), wahrscheinlich ein sehr politisches und sicher ein moralisches, ein fiktiver mythos über die entstehung der welt(en), ein aufwühlendes und bewegendes und lustiges und trauriges und schönes und schreckliches buch über so ziemlich ALLES. ein buch, das ich, als ich es fertig gelesen hatte, am liebsten gleich nochmal gelesen hätte (und ich bin SICHER: ich hätte hundert neue dinge gesehen, die mir beim ersten mal nicht aufgefallen waren, so dicht und vor allem voller anspielungen und bezüge ist es) -
die abschaffung der arten (amazon)
dirac (amazon)
wikipedia über dietmar dath
ein interview in der welt, aus dem der titel dieses beitrags stammt
eric burdon & the animals - sky pilot (hab ich von der hervorragenden compilation the psychedelic years revisted)
the books - classy penguin (auf der dvd playall)


das buch hört sich in meinen augen nach dem unsichtbaren bunten hund “eierlegende wollmilchsau” an… interessant…
kommentar von olga — 4. Februar 2009 #
gar nicht vo verkehrt.
im moment lese ich “für immer in honig” und bin schon wieder so begeistert! vielleicht ist der autor selbst die goldene gans bzw der goldesel?
kommentar von mb — 12. Februar 2009 #