(k)ein erstes sommergewitter
Sonntag, 22. Juni 2008, 19:54 |den ganzen tag über war es schwül-warm gewesen, 29° und dunstig bis bewölkt, eine hitze, die mich in meiner wohnung hatte bleiben lassen, bei geschlossenem fenster und zugezogenen vorhängen, immer in erwartung des gewitters, das sich, so hoffte ich, im westen zusammenbraute oder in einer der anderen himmelsrichtungen, die ich von meinem fenster aus nicht sehen kann.
ein wind kam auf und es wurde dunkel, dann wurde es allerdings wieder ruhig und auch heller, dann wieder dunkler -
ich entschloss mich, einfach nach draußen zu gehen und auszuharren. ich schlenderte durch den so gut wie leergefegten park, bekam ein paar müde tropfen ab, rannte übermütig und barfuß über die wiese, machte sogar aus lauter bewegungsdran ein paar liegestütze, aber der ersehnte platzregen kam nicht, im gegenteil, das getröpfele ließ wieder nach und das donnergrollen schien sich auch zu entfernen. “na gut”, dachte ich, “schreibste halt was in dein dings über jahreszeiten und stimmungen oder so, vielleicht ein paar besonders schmerzlich-drückende sommerlieder dazu, immerhin.” und ging heim. machte den laptop an. füllte mir den rest griesbrei in ein schälchen. und dann? genau.
als ich da jedenfalls so durch den park schlenderte und die bereits abkühlende luft atmete, breitete sich ziemlich plötzlich und mit macht ein gefühl in mir aus. es will sich nicht beschreiben lassen, es ließ sich schon in dem moment gar nicht fassen und begreifen; eine mischung aus tiefer traurigkeit, erleichterung, freude und noch vielen vielen anderen sachen, erinnerungen spielen auch eine große rolle. erinnerungen an sommerurlaube als kind, als es auch so roch, erinnerungen an kostbare wochen allein in der elterlichen wohnung als jugendlicher, als das wetter das gleiche war, erinnerungen an melancholische sommernächte in der stadt, als ich ebenso allein schlenderte. und das brachte mich auf den gedanken (nicht zum ersten mal), dass der sommer doch die jahreszeit ist, die am meisten aufwühlt. klar, herbst- und winterdepression, frühjahrsgefühle, aber die letzten sind eher leicht, luftig, erwartungsfroh, heiter, vielleicht auch ein bisschen drängend, aber im ganzen doch relativ klar zuzuordnen und vor allem insgesamt positiv (nicht zwangsläufig das resultat aus den gefühlen, etwa sozusagen unerfüllte frühlingsgefühle, aber das ist ja was anderes). die herbstdepression mag noch etwas von der sommerlichen hitze haben, ein bisschen sturm und drang, aber sie geht zunehmend über in die winterliche starre, das graue, das dunkel, die kälte.
vielleicht kann man die extrem vielfältigen sommerlichen gefühle wirklich als stürmen und drängen bezeichnen, vielleicht auch als sehr pubertäre jahreszeit, emotional gesehen. hermann hesse zum beispiel ist für mich untrennbar mit sommer verknüpft und das ist ja ein autor, den man meist in jungen jahren liest, stelle ich mir jedenfalls vor.
man könnte das alles noch viel weiter aufdröseln, ich könnte versuchen, (mir) zu erklären, wie ich auf diese gedanken komme, ich könnte die sogenannte meta-ebene betreten, ich könnte es auch sprachlich noch etwas daran feilen oder mich für den stellenweise auftretenden kitsch entschuldigen.
mach ich aber nicht.
calexico - frontera (vom album the black light)
nick cave & the bad seeds - where do we go now but nowhere? (vom album the boatman’s call)
björk - bachelorette (vom album homogenic)
das holz - warte auf mich (mit sven regener) (vom album drei)
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you want one of the mp3s above to disappear? let me know!

